Fachtagung über Stillen und Laktation in Düsseldorf

    Muttermilch lässt sich nicht kopieren

     

    Am 16. Oktober 2007 wurden in Düsseldorf bei einer Fachtagung aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema Stillen und Laktation präsentiert. Die Ergebnisse stammen von einer Forschergruppe um den in der medizinischen Stillforschung führenden Wissenschaftler Prof. Dr. Peter Hartmann von der University of Western Australia. Eine der wesentlichen Erkenntnisse bezog sich auf die Anatomie der weiblichen Brust: Untersuchungen hatten signifikante Unterschiede zum seit 180 Jahren verwendeten und gelehrten anatomischen Aufbau ergeben. Außerdem wurde erneut die Einzigartigkeit von Muttermilch für die Ernährung von Säuglingen untermauert.



    Der Stillkongress wurde von Medela veranstaltet, dem weltweit führenden Hersteller von Milchpumpen und Stillzubehör. Zu den rund 320 Teilnehmern zählten renommierte Mediziner, Hebammen und Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC sowie interessiertes Fachpersonal. Die Forschungsergebnisse der University of Western Australia verknüpfen Forschungsarbeit und die daraus resultierenden Konsequenzen für die alltägliche Still-Praxis.


    Während Ultraschalldiagnostikerin Dr. Donna Geddes auf den Saugrhythmus des Babys während des Stillens einging, beschäftigte sich Holly McClellan mit dem Auftreten von Schmerzen in der Brustwarze während des Stillens. In ihrer Forschungsarbeit fand sie heraus, dass Babys von Müttern mit Schmerzen in der Brustwarze grundsätzlich mit höherem Vakuum saugen als andere Babys. Es gilt nun weiterzuforschen, um die genauen Zusammenhänge zu erfassen.


    Holly McClellan


    Jan Newbold

    Die Anatomie der Brust war ein weiteres Thema von Dr. Donna Geddes. Ihre Erkenntnisse überholen den bisherigen Wissensstand in Fach- und Lehrbüchern. So sind beispielsweise keine Milchseen zu finden, welche die Milch lagern, und die Zahl der Hauptmilchgänge ist deutlich geringer als bisher angenommen. Dieses neue Verständnis ist sehr wichtig für Mediziner und Stillfachpersonen, die stillende Mütter bei Problemen beraten und begleiten. Dies gilt für das Stillen ebenso wie für das Abpumpen von Muttermilch. Jan Newbold, Stillberaterin von Medela, zeigte in diesem Zusammenhang unter anderem auf, wie wichtig die korrekte Brusthaubengröße beim Abpumpen ist und wie diese ermittelt wird.

    Ein weiterer Themenabschnitt des Kongresses galt der Bedeutung der Muttermilch. Charles Czank präsentierte seine Untersuchungen über die verschiedenen Bestandteile (Fett, Proteine, Lactose, Immunglobuline, Wachstumshormone) und deren Zusammenspiel. Die vielen Bestandteile wirken synergetisch zusammen und machen die Muttermilch dadurch einzigartig. Es wurde deutlich, dass Muttermilch nicht kopierbar ist. Professor Peter E. Hartmann ging in seinem Vortrag zur „Ernährung von Frühgeborenen“ noch weiter darauf ein: Künstlicher Säuglingsmilch fehlen die wichtigen immunologischen Komponenten, die in der Muttermilch enthalten und für das noch unreife Immunsystem eines Frühgeborenen von ganz besonderer Bedeutung sind. Darüber hinaus besteht ein signifikanter Unterschied im Hinblick auf die Konzentration der Makronährstoffe in der Muttermilch zwischen Müttern, die termingerecht oder vorzeitig entbunden haben. Erkenntnisse, die bei der optimalen Ernährung insbesondere von Frühgeborenen eine wichtige Rolle spielen.
    Die Fachtagung in Düsseldorf gab einen Überblick über die Breite der Still- und Laktationsforschung, vermittelte viele neue Erkenntnisse und zeigte dennoch eindrücklich auf, dass die Arbeit in diesem Gebiet noch lange nicht abgeschlossen ist.

     


    Im Bild Professor Peter E. Hartmann (2. v. re) mit seinem Team von der  University of Western Australia