Das Erreichen einer ausreichenden Milchmenge – Effektive Initiierung

Das Erreichen einer ausreichenden Milchmenge ist ein Indikator für die wirksame Interventionsunterstützung der effektiven Initiierung. Das Erreichen einer Milchmenge von ≥ 500 ml pro Tag innerhalb von 14 Tagen nach der Geburt ist der zuverlässigste Faktor für ein erfolgreiches Füttern eigener Muttermilch bei der Entlassung von der neonatologischen Intensivstation nach Hause. Werden Mütter auf der neonatologischen Intensivstation bei der effektiven Initiierung der Laktation unterstützt, so können sie ihre Stillziele erreichen.

Graph showing critical window to build milk supply

Was bedeutet „Das Erreichen einer ausreichenden Muttermilchmenge“?

Das Erreichen einer ausreichenden Milchmenge bezieht sich auf die Laktationsphase zwischen der sekretorischen Aktivierung (Beginn der reichlichen Milchbildung) und dem Aufbau einer täglichen Mindestmilchmenge von etwa 500 ml, die bei gesunden stillenden Müttern und ihren Kindern in der Regel 4–7 Tage nach der Geburt erreicht wird.1 

Das Erreichen einer ausreichenden Milchmenge ist definiert als das Erreichen einer täglichen Gesamtmenge von ≥ 500 ml bis zum 14. Tag nach der Geburt.2-4

Warum ist das Erreichen einer ausreichenden Muttermilchmenge wichtig?

Das Erreichen einer ausreichenden Muttermilchmenge binnen 14 Tagen nach der Geburt ist erwiesenermaßen der zuverlässigste Indikator, ob ein Säugling bei der Entlassung von der neonatologischen Intensivstation nach Hause mit eigerner Muttermilch versorgt werden kann.2 Bei Müttern, deren Milchmenge am 14. Tag nach der Geburt weniger als 500 ml beträgt, ist die Milchproduktion langfristig oft nicht ausreichend.2

Wird mit evidenzbasierten Best Practices wie frühes und häufiges5 Abpumpen unterstützt, kann das Erreichen einer ausreichenden Milchmenge als Qualitätsmerkmal für eine verbesserte Versorgung mit Muttermilch auf der neonatologischen Intensivstation dienen.2

Evidenzbasierte Praktiken zur Überwachung der Milchmenge ermöglichen es den (auf das Abpumpen angewiesenen) Müttern von Kindern auf der neonatologischen Intensivstation, ähnliche Milchmengen wie ausschließlich stillende Mütter zu erreichen.3,5,6

Die Phase bis zum Erreichen einer ausreichenden Milchmenge ist mit dem größten Risiko für einen suboptimalen Stillerfolg und vorzeitiges, ungeplantes Abstillen bei ansonsten gesunden Müttern verbunden. Für Mütter, die teilweise oder ausschließlich auf das Abpumpen von Muttermilch angewiesen sind, besteht in diesem kritischen Zeitfenster ein erhebliches Risiko.3,7

Sobald eine ausreichende Milchmenge erreicht ist, findet ein Wechsel von der endokrinen zur autokrinen (bzw. lokalen) Regulierung der Laktation statt. Die Milchsynthese wird an der Brust reguliert, und das Entleeren der Brust dient als primärer Regulierungsmechanismus für die weitere Milchproduktion.6,8

Die Zeit bis zum Erreichen einer ausreichenden Milchmenge ist eine in der gesamten Stillzeit einmalige Phase.3,9 Wenn in den ersten 14 Tagen durch unzureichende Unterstützung ein Hinweis auf eine verzögerte sekretorische Aktivierung sowie eine Milchmenge <500 ml ergibt, gestaltet sich eine deutliche Steigerung der Milchproduktion des weiteren immer schwieriger.4

Wie kann das Erreichen einer ausreichenden Milchmenge optimal gefördert werden?

  • Klären Sie Mütter auf und halten Sie sie zu frühzeitigem, häufigem und beidseitigem Abpumpen unter Verwendung korrekt sitzender Brusthauben an5,9–12
  • Stellen Sie Müttern Milchpumpen zur Verfügung, die mit dem INITIAL-Programm ausgestattet sind. Dieses soll bis zur sekretorischen Aktivierung angewendet werden. Stellen Sie sie danach auf das ERHALT-Programm um, damit die Brüste effektiv entleert werden und um die Steigerung der Milchmenge zu unterstützen.4,6

  • Weisen Sie die Mütter an, die Abpumphäufigkeit und die abgepumpte Milchmenge während der kritischen 14 Tage nach der Geburt mithilfe von Abpumpprotokollen zu dokumentieren.5

  • Informieren Sie Mütter über die Mindestmenge einer ausreichenden Milchbildung, sodass diese sich frühzeitig um Unterstützung bemühen können, wenn diese Zielwerte nicht erreicht werden.4

  • Führen Sie regelmäßige Mitarbeiterschulungen zu bewährten Laktationspraktiken durch, mit denen das Erreichen einer ausreichenden Milchmenge gefördert werden kann.

  • Informieren Sie das Personal und die Mütter darüber, dass die Milchbildung im Rahmen des Aufbaus der Milchproduktion und des Erreichens einer ausreichenden Milchmenge unter Umständen den aktuellen Bedarf des Säuglings überschreitet.13

  • Sorgen Sie dafür, dass die Abpumpprotokolle täglich überprüft werden.5,10,13

Ziehen Sie bei Müttern, die nicht innerhalb von 14 Tagen nach der Geburt eine Milchmenge ≥ 500 ml erreichen, eine professionelle Laktationsberaterin hinzu

Wie wird das Erreichen einer ausreichenden Milchmenge überprüft?

  • Protokollieren Sie den prozentualen Anteil der Mütter, bei denen die sekretorische Aktivierung innerhalb von 72 Stunden nach der Geburt erfolgt.
  • Ermitteln Sie die Mütter mit verzögerter ( > 72 Stunden) sekretorischer Aktivierung

  • Erheben Sie mit einem Datenerfassungstool Daten zur Abpumphäufigkeit

  • Überprüfen Sie die Abpumpprotokolle und erfassen Sie die tägliche Milchmenge (ml/Tag)

  • Werten Sie die Daten monatlich aus und ermitteln Sie die durchschnittliche tägliche Milchmenge in den ersten 14 Tagen nach der Geburt

  • Ermitteln Sie Krankenhauspraktiken, die einem frühen und häufigen Abpumpen eventuell abträglich sind

  • Ermitteln Sie Faktoren, die zur Verringerung von Abpumphäufigkeit und -menge beitragen, wie etwa Zeitmangel oder eine unzureichende Anzahl an Doppelmilchpumpen, an Brusthauben in korrekter Größe oder an Milchpumpen für den Heimgebrauch

  • Kommunizieren Sie Ergebnisse und Empfehlungen regelmäßig an alle Abteilungen, um bewährte Verfahren zu verbessern und aufrechtzuerhalten

Literaturhinweise

1. Chen DC et al. Stress during labor and delivery and early lactation performance. Am J Clin Nutr. 1998; 68(2):335–344.

2. Hoban R et al. Milk volume at 2 weeks predicts mother's own milk feeding at Neonatal Intensive Care Unit discharge for Very Low Birthweight infants. Breastfeed Med. 2018; 13(2):135–141.

3. Meier PP et al. Which breast pump for which mother: An evidence-based approach to individualizing breast pump technology. J Perinatol. 2016; 36(7):493–499.

4. Meier PP et al. Evidence-based methods that promote human milk feeding of preterm infants: An expert review. Clin Perinatol. 2017; 44(1):1–22.

5. Spatz DL et al. Pump early, pump often: A continuous quality improvement project. J Perinat Educ. 2015; 24(3):160–170.

6. Meier PP et al. Breast pump suction patterns that mimic the human infant during breastfeeding: greater milk output in less time spent pumping for breast pump-dependent mothers with premature infants J Perinatol. 2012; 32(2):103–110.

7. Spatz DL. Getting it right – the critical window to effectively establish lactation. Infant. 2020; 16(2):58–60.

8. Daly SE et al. Frequency and degree of milk removal and the short-term control of human milk synthesis. Exp. Physiol. 1996; 81(5):861–875.

9. Meier PP et al. Human milk in the neonatal intensive care unit. In: Family Larsson-Rosenquist Foundation, Hrsg. Breastfeeding and breast milk - From biochemistry to impact: A multidisciplinary introduction. 1. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2018.

10. UNICEF, WHO. Protecting, promoting and supporting breastfeeding: The baby-friendly hospital initiative for small, sick and preterm newborns. Genf, New York: WHO; UNICEF; 2020. 42 p.

11. Prime DK et al. Simultaneous breast expression in breastfeeding women is more efficacious than sequential breast expression. Breastfeed Med. 2012; 7(6):442–447.

12. Sakalidis VS et al. Breast shield design impacts milk removal dynamics during pumping: A randomised controlled non-inferiority trial. Acta Obstet Gynecol Scand. 2020; 99(11):1561–1567.

13. Spatz DL. Innovations in the provision of human milk and breastfeeding for infants requiring intensive care. J Obstet Gynecol Neonatal Nurs. 2012; 41(1):138–143.