Ein Blick über den Tellerrand – Teamarbeit rund um die Betreuung nach Sectio

Ein Vortrag von Dr. Bärbel Basters-Hoffmann im Rahmen der Medela Goldkonferenz 2020

  • Dr. Bärbel Basters-Hoffmann ist Chefärztin der Geburtshilflichen Klinik, St. Josefskrankenhaus Freiburg

Team und Teamdimensionen

Ein Team lässt sich auf unterschiedliche Weise definieren. Ein Team ist zunächst eine Familie, Gruppe oder Gespann. Dabei ist „Team“ nicht unbedingt ein kooperativer Begriff, sondern kann auch zur Abgrenzung gegen andere Teams werden. Durch verschiedene Ideen und Einflüsse kann leicht ein Gegeneinander statt ein Miteinander zwischen verschiedenen Teams entstehen. Der Zusammenhalt durch ein gemeinsames Feindbild ist in vielen Bereichen des Lebens, z.B. Ost-West-Konflikt, Migration oder Ökologie, deutlich sichtbar.

Professionell betrachtet ist ein Team eine Organisationseinheit, die eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen hat oder zusammen ein bestimmtes Ziel verfolgen soll. Das Team wird gebildet, wenn eine komplexe Aufgabe interdisziplinäre Zusammenarbeit erfordert. Innerhalb der Teamarbeit sind wiederum verschiedene Dimensionen möglich: Eine Erlebnisdimension entsteht durch emotionale Verbundenheit innerhalb einer Gruppe. Die Aufgabendimension ist charakterisiert durch das Einbringen von Spezialwissen in die gemeinsame Aufgabestellung. In der Prozessdimension erfolgt bereichsübergreifende Teamarbeit im Dienst der Sache. In der Ergebnisdimension ist das Ziel derartig übergeordneten, dass Einzelinteressen übergangen werden.

Teamarbeit im Rahmen der Geburt

Das zentrale Team bei jeder Geburt sind die Gebärende und ihr zu gebärendes Kind, sowie ihr Partner. Dazu kommen noch weitere, nicht unbedingt homogene Gruppen von Hebammen, Ärzten und weiteren Mitarbeitern, die zusammen für einen Auftrag verantwortlich sind. Diese agieren idealerweise gemeinsam als ein interdisziplinäres Team für das Team von Mutter und Kind, um das sich alles drehen sollte. Jeder Einzelne sollte sich im Geburtsgeschehen für das wirklich wichtige Team zurücknehmen.

Bei einer Sectio ist das Team komplexer und weitere Teamgrenzen werden überschritten, weil die Zahl der beteiligten Akteure steigt. Zu den Hebammen und Geburtshelfern kommen die OP-Pflege, die Anästhesie-Pflege, Anästhesisten, Pädiater und weitere hinzu. Alle Beteiligten wollen ihren wichtigen Teil dazu beitragen, dass die Geburt gut verläuft. Dabei hat jedoch jede Berufsgruppe einen anderen Fokus. Damit die bereichs- und abteilungsübergreifende Teamarbeit unter diesen Bedingungen gelingen kann, sind Gesprächsbereitschaft, gute Kommunikation und Kompromisse unumgänglich.

Gemeinsame Ziele und Wege werden am besten infiltrativ oder subversiv in die Teams getragen und nicht von oben nach unten vermittelt. Jeder einzelne muss ein Verständnis für die Notwendigkeit der Maßnahmen aufbringen können. Dafür sind gemeinsame Fortbildungen über Sectio-Bonding, Oxytocin und Stillen sehr wichtig. Widerstände bei einzelnen Teammitgliedern entstehen bei Umbrüchen immer, aber können durch Wissen und Vernunft meistens beigelegt werden. Wenn die Anschauungen zu Geburt und Stillen zwischen Team und dem Einzelnen aber gar nicht zusammenpassen, steht das Ziel doch über dem Einzelnen. Dann müssen Team und Mitarbeiter sich trennen.

Basters Hoffmann

Dr. Bärbel Basters-Hoffmann

Chefärztin der Geburtshilflichen Klinik, St. Josefskrankenhaus Freiburg