Impulsvortrag: Herausforderungen meistern – Mount Everest

Ein Vortrag von Helga Hengge im Rahmen der Medela Goldkonferenz 2020

  • Helga Hengge ist Keynote Speakerin, Autorin und Extrembergsteigerin.

Der Mount Everest

Mit einer Höhe von 8848 Metern ist der Mount Everest der höchste Berg der Erde. Sein Gipfel berührt die Jetströme und ist mit einem weißen Wolkenschweif gekennzeichnet. Auf den ersten Blick ist der Mount Everest als einer von vierzehn über 8000 Meter hohen Bergen im Himalaya dennoch gar nicht so einfach zu erkennen. Zwei Routen ermöglichen den Aufstieg auf den Gipfel. Die berühmte Südroute auf der nepalesischen Seite, die sehr gefährlich ist und die weniger bekannte Nordroute über die tibetische Seite des Berges. Der Aufstieg über die Nordseite ist technisch anspruchsvoller, steiler, windiger und kälter, gilt aber als sicherer.

Von 100 Bergsteigern fahren 80 enttäuscht wieder nach Hause, ohne den Gipfel je erreicht zu haben. Jeder 50tste Bergsteiger, der den Gipfel erreicht hat, wird den Rückweg nicht überleben. Hauptsächlich durch eine falsche Einschätzung der Kraftreserven brechen die Bergsteiger auf dem Abstieg vor Erschöpfung zusammen. Kein Rettungstrupp der Welt kann einen Bergsteiger, der sich selbst nicht mehr bewegen kann, am Gipfel des Mount Everest noch retten.

Herausforderungen am Mount Everest

Der Aufstieg dauert zwei Monate, am Berg im Zelt. Damit dieser erfolgreich gelingt sind unterschiedliche Erfahrungen, Talente und Stärken im Team notwendig: Der Expeditionsleiter, der den Berg gut kennt und sein Team über unwegsames Gelände sicher zum Gipfel führen kann. Köche, die alle bei Kräften halten. Unterstützer bei Logistik und Transport der Ausrüstung. Sherpas, die Spezialisten am Berg, die die Route einrichten, ein Teamarzt und Bergsteiger, mit großer Erfahrung. Sie alle geben dem Team Kraft und Zuversicht für die lebensgefährliche Expedition.

Den Respekt am Berg bekommt niemand geschenkt, ob Mann oder Frau macht keinen Unterschied. Nur wer sich unter schwierigsten Bedingungen Schritt für Schritt und Meter um Meter vorwärts kämpft, kann sich beweisen. Viel Training im Vorfeld und Geduld sind für den zweimonatigen Aufstieg in dünner Höhenluft nötig. Der Körper benötigt Zeit, um sich an den niedrigen Sauerstoffpartialdruck anzupassen. Gewonnene Höhenmeter müssen nach dem Motto „Steige hoch und schlafe niedrig“ immer wieder verlassen werden. Eisige Winterstürme sorgen für Rückschläge und halten die Teams tagelang im Basislager gefangen. In diesen düsteren Zeiten geben Teammitglieder Stärke und Zuversicht. Die große Herausforderung ist, trotz aller Widrigkeiten die Begeisterung für den Berg nicht zu verlieren.

Der Aufstieg zum Gipfel ist lediglich einmal im Jahr, während eines kleinen Wetterfensters, möglich. Viele im Team wagen die Expedition zum wiederholten Mal, weil sie den Aufstieg bisher nicht geschafft haben. Ein Team ist erst dann bereit aufzusteigen, wenn es gelernt hat, gut zusammen zu arbeiten. Jeder einzelne muss sich Schwierigkeiten stellen, immer wieder Mut finden und über sich selbst hinauswachsen. Der Ausblick vom höchsten Punkt der Welt ist dann die Belohnung für eine gute Teamarbeit.

Helga Hengge

Keynote Speakerin, Autorin und Extrembergsteigerin