Diabetes & Co: Risikofaktoren für die Milchbildung

Ein Vortrag von Prof. Frank Louwen im Rahmen der Medela Goldkonferenz 2020

  • Prof. Frank Louwen ist Leiter Geburtshilfe und Pränatalmedizin, Universitätsklinikum Frankfurt Goethe Universität.

Risikofaktoren für die Milchbildung

Die Liste der möglichen Gründe für Stillschwierigkeiten ist lang. Dazu gehören u.a. polyzystisches Ovarsyndrom, Schilddrüsenunterfunktion, Brustoperationen, Bluthochdruck in der Schwangerschaft, Rauchen oder die Einnahme von (östrogenhaltigen) Medikamenten. Hinzu kommen schädliche Stoffe, denen wir im Alltag ausgesetzt sind, wie Tenside in der Kleidung, Pestizide, Nagellackentferner, Klebstoff oder Mikroplastik (Criswell et al. 2000). Viele dieser Faktoren verursachen hormonelle Dysbalancen, die sich wiederum negativ auf die Milchbildung auswirken. Häufig spielen zu hohe Östrogenspiegel im Körper der Mutter nach der Geburt eine Rolle dabei.

Ein später Stillbeginn und zu geringe Milchmengen kommen häufiger bei adipösen als normalgewichtigen Frauen vor (Chang et al. 2019). Eine kalifornische Studie wies bei adipösen Frauen 50 % mehr Milchbildungsprobleme als bei normalgewichtigen Frauen nach. Als weitere Schlüsselfaktoren für einen verspäteten Stillbeginn identifizierte die Studie Schwangerschaftsdiabetes und suboptimales Stillen im Krankenhaus (Matias et al. 2014).

Adipositas und Schwangerschaftsdiabetes als Gründe für Stillschwierigkeiten

Hinsichtlich des Stillens sind bei adipösen Frauen zwei Dinge besonders problematisch:

  1. Das übermäßig vorhandene Fettgewebe bei adipösen Frauen. Dieses Fettgewebe speichert in großem Maße Östrogene. Dadurch ist der Körper der Frau nach der Geburt zu hohen Östrogenspiegeln ausgesetzt, die eine Milchbildung verzögern oder ganz verhindern.
  2. Ein Kaiserschnitt verkompliziert den Stillbeginn, insbesondere wenn die Möglichkeit des ausgiebigen Haut-zu-Haut-Kontakts und das Anlegen des Kindes an die Brust nach der Geburt in Klinikroutinen fehlen und die Mutter in ihren Bewegungsmöglichkeiten eingeschränkt ist. Adipositas an sich ist meist kein Grund für einen medizinisch notwendigen Kaiserschnitt. Dennoch entbinden Frauen mit Adipositas sehr häufig durch einen Kaiserschnitt, selbst dann, wenn sie zuvor versuchen, vaginal zu entbinden.

Schwangerschaftsdiabetes und andere diabetogene Stoffwechselstörungen können über einen längeren Zeitraum zu hohen Blutzuckerspiegeln bei Mutter und Kind führen. In der Schwangerschaft führen hohe Blutzuckerwerte dazu, dass sich das Brustgewebe für das spätere Stillen nicht richtig entwickeln kann. Dementsprechend kann die Milchbildung nach der Geburt nicht richtig funktionieren.

Adipöse Frauen mit Schwangerschafts- oder Typ-2-Diabetes haben in der Folge ein besonders hohes Risiko Milchbildungsprobleme zu bekommen. Die Behandlung betroffener Frauen beginnt bereits vor der Schwangerschaft mit gesunder Ernährung. Damit die Blutzuckerspiegel während der Schwangerschaft optimal eingestellt sind, muss kalorienarm und unbedingt kohlenhydratarm gegessen werden. Nur so kann sich sonst die Brustdrüse gut entwickeln und später ein Stillerfolg einstellen.

Frank Louwen

Prof. Frank Louwen

Leiter Geburtshilfe und Pränatalmedizin, Universitätsklinikum Frankfurt Goethe Universität